Vor­stel­lungs­ge­spräch Gas­tro­no­mie: Die ers­ten Se­kun­den sind entscheidend

Personal einstellen in der Gastronomie
Gute Mit­ar­bei­ten­de sind das Rück­grat je­des Un­ter­neh­mens. Dar­um fällt der Mitarbeiter­rekrutierung eine ent­schei­den­de Rol­le zu, auch in der Gas­tro­no­mie. Ob­wohl es in die­sem Feld spe­zia­li­sier­te HR-Pro­fis gibt, scha­det es nicht, ei­nen prak­ti­schen Blick „hin­ter die Ku­lis­sen“ wer­fen zu kön­nen. Als lang­jäh­ri­ger Kü­chen­chef und Gastronomie­leiter habe ich zahl­rei­che Vorstellungs­gespräche er­lebt und möch­te Ih­nen die­ses Wis­sen für künf­ti­ge Be­wer­bungs­ge­sprä­che in der Gas­tro­no­mie weitergeben. 

Check­lis­te Vorstellungsgespräch

Die­se Check­lis­te gibt Ih­nen wich­ti­ge Tipps für die Durch­füh­rung ei­nes Vor­stel­lungs­ge­sprächs und un­ter­stützt Sie bei der Personalgewinnung. 

Pünkt­li­ches Erscheinen

In den acht­zi­ger Jah­ren hat mich (da­mals Sous-chef) ein Ho­te­lier bei ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch im Ber­ner Ober­land schlicht­weg ver­ges­sen, war nicht im Haus. Die Re­zep­tio­nis­tin schenk­te mir als Wie­der­gut­ma­chung ein be­dau­ern­des Lä­cheln. Der Ho­te­lier hat sich auch gar nicht mehr bei mir gemeldet.

Das geht gar nicht (heut­zu­ta­ge so­wie­so nicht mehr)! Pünkt­li­ches Er­schei­nen ist bei ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch für bei­de Sei­ten Pflicht. Ge­nau­so, wie Sie Gäs­te in ei­nem Re­stau­rant nicht lan­ge war­ten las­sen dür­fen (vier Se­kun­den bis zum ers­ten Blick­kon­takt sind da eine gute Faust­re­gel), müs­sen Sie für ein Be­wer­bungs­ge­spräch pünkt­lich sein.

Sei­en Sie vorbereitet

Ein Di­rek­tor ei­ner nam­haf­ten Spi­tal­grup­pe hat­te bei mei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch für die Ge­samt­lei­tung Gas­tro­no­mie (!) eine ein­zi­ge Fra­ge an mich. Ich hat­te zwei Sei­ten Fra­gen mit­ge­bracht und ich fühl­te mich nicht ernst ge­nom­men. Ob­wohl er mir die Stel­le an­ge­bo­ten hat, habe ich das In­ter­es­se verloren.

Ein gut aus­ge­klü­gel­ter Fra­ge­bo­gen (na­tür­lich an­ge­passt für alle Po­si­tio­nen) macht ei­nen po­si­ti­ven Ein­druck auf den Be­wer­ber. Zu­dem soll­ten Sie alle re­le­van­ten Un­ter­la­gen be­reit­hal­ten. Das Pflich­ten­heft, der Stel­len­be­schrieb des Jobs und an­de­re wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen müs­sen zur Ab­ga­be be­reit sein.

Neh­men Sie sich Zeit

Und gleich noch­mals: Neh­men Sie sich Zeit! Tei­len Sie dem Be­wer­ber be­reits zur Ein­la­dung mit, dass das Ge­spräch vor­aus­sicht­lich 45, 60 oder 90 Mi­nu­ten dau­ern wird. Die Zeit, wel­che Sie in ein Be­wer­bungs­ge­spräch in­ves­tie­ren, er­spart Ih­nen spä­ter viel Är­ger und Kos­ten. Sei­en Sie trotz­dem ehr­lich, stel­len Sie kei­ne un­nö­ti­gen Fra­gen und ver­geu­den Sie kei­ne Zeit, wenn der Kan­di­dat in der Rea­li­tät nicht dem ent­spricht, was das viel­leicht auf­ge­motz­te Be­wer­bungs­dos­sier Ih­nen vor­ge­gau­kelt hat. Ein Pseu­do­ge­spräch macht bei­den Sei­ten kei­ne Freude.

Der ers­te Eindruck

Der Im­puls, der ers­te Ein- und Hän­de­druck, der Blick in die Au­gen und ein kur­zer Blick auf die Klei­dung und das Auf­tre­ten ha­ben mich noch nie ge­täuscht. Si­cher habe ich Feh­ler ge­macht bei Re­kru­tie­run­gen. Im Nach­hin­ein wuss­te ich je­doch, dass ich ei­gent­lich den rich­ti­gen Im­puls hat­te. Der ers­te Ein­druck war mir stets hilf­rei­cher als der Blick in das CV und die Zeugnisse.

Oh Gott, die­ser Chef de Par­tie aus dem nam­haf­ten 5‑Sternhotel mit sei­nem gross­ar­ti­gen Be­wer­bungs­dos­sier. Die an­trai­nier­ten ta­mi­li­schen Kö­che konn­ten bes­ser ko­chen als er, hat­ten nicht die gros­se Klap­pe und die Men­gen bei Ban­ket­ten stimm­ten (bei ihm lei­der nicht).

Bei Vorstellungsgesprächen zählt der erste Eindruck

Aus- und Weiterbildung

Wo­mit ich beim The­ma ungelernte/angelernte Kräf­te bin. Wir er­le­ben Fach­kräf­te­man­gel im Gast­ge­wer­be im­mer wie­der. Im­mer wie­der aufs Neue. Wenn wir kei­ne Kö­che oder kei­ne Re­stau­ra­ti­ons­fach­leu­te ha­ben, dann bil­den wir sie eben selbst aus. Nur, wir soll­ten uns da­für et­was Zeit und Ge­duld neh­men. Oft bin ich be­geis­tert von der un­kom­pli­zier­ten Herz­lich­keit und Auf­merk­sam­keit von Ser­vice­leu­ten im Un­ter­neh­men, un­ge­lernt aber lei­den­schaft­lich, ech­te Bot­schaf­ter zwi­schen Kü­che und Gast. Sie über­zeu­gen von der Spe­zia­li­tät, vom Ta­ges­ge­richt, der Sup­pe weil sie die Mahl­zei­ten de­gus­tie­ren durf­ten. Er­stel­len Sie für Ih­ren Be­trieb ein Aus- und Wei­ter­bil­dungs­kon­zept. Be­fä­hi­gen Sie Ihre Mit­ar­bei­ten­den, ge­stal­ten Sie For­men, wo Sie von den Jun­gen pro­fi­tie­ren, aber ih­nen ent­spre­chen­des Wis­sen an­bie­ten, evtl. auch mit ex­ter­nen Kurs­an­ge­bo­ten. Dann wer­den sie im Be­trieb blei­ben und sich kei­nen neu­en Job su­chen. Wir ha­ben gross­ar­ti­ge jun­ge Men­schen. Ho­len Sie de­ren Qua­li­tä­ten ab, an­statt ih­nen über­al­ter­te For­men und Nor­men aufzuzwingen.

Von über­al­ter­ten Hier­ar­chien wur­de ich die­sen Herbst Zeu­ge in ei­nem 4‑Sternhotel an der li­gu­ri­schen Küs­te: Ver­ant­wort­lich war eine Ser­vice­bri­ga­de wie vor 40 Jah­ren, alle bes­ser ge­klei­det als die Gäs­te. Beim Früh­stücks­buf­fett ent­deck­te der Kell­ner, dass die Spie­gel­eier im Cha­fing-dish zur Nei­ge gin­gen. Er such­te zu­erst den Chef de rang, die­ser dann den Mâit­re, wor­auf je­ner ent­schied, dass sechs Eier nach­be­stellt werden.

Be­loh­nung

Ha­ben Sie ein ech­tes In­ter­es­se an dem Be­wer­ber und möch­ten Sie, dass die­ser die Stel­le an­nimmt? Zei­gen Sie dem Kan­di­da­ten den Be­trieb und be­loh­nen Sie ihn nach dem Vor­stel­lungs­ge­spräch mit ei­ner Klei­nig­keit aus Ih­rem Be­trieb (das ist viel­leicht eine ent­schei­den­de Geste).

Fa­zit

Hal­ten Sie sich für ein er­folg­rei­ches Be­wer­bungs­ge­spräch an die fol­gen­den 11 Punkte:

  • pünkt­li­ches Erscheinen
  • sei­en Sie vorbereitet
  • neh­men Sie sich Zeit
  • ach­ten Sie auf den ers­ten Eindruck
  • ha­ben Sie den Mut, nein zu sagen
  • Zeug­nis­se
  • an­ler­nen und ausbilden
  • Lei­den­schaft für den Job
  • Aus- und Weiterbildung
  • at­trak­ti­ver Arbeitsplatz
  • Be­loh­nung

Un­se­re Lösungen

Check­lis­te Vorstellungsgespräch

Die­se Check­lis­te gibt Ih­nen wich­ti­ge Tipps für die Durch­füh­rung ei­nes Vor­stel­lungs­ge­sprächs und un­ter­stützt Sie bei der Personalgewinnung. 

Vor­la­ge und Leit­fa­den Arbeitszeugnisse

Die­ser Leit­fa­den ver­rät Ih­nen, was bei Ar­beits­zeug­nis­sen wich­tig ist. Mit den Bei­spiel­vor­la­gen kön­nen Sie Ar­beits­zeug­nis­se schnell und ein­fach er­stel­len. Word-Do­ku­ment mit 15 Sei­ten — Preis: Fr. 8.-.

Gastrojobs.ch

Als füh­ren­de Spe­zi­al­job­bör­se zeigt GASTROJOBS über 20.000 Stel­len­an­zei­gen aus der Gas­tro­no­mie und Ho­tel­le­rie in 5 Län­dern. Mit dem Job­fin­der er­hal­ten die Be­wer­ber die pas­sen­den Job­an­ge­bo­te ganz ein­fach und be­quem per E‑Mail. Mit der neu­en Be­wer­ber­pro­fil­su­che, für die über 30‘000 Dos­sier frei­ge­ge­ben sind, kön­nen Ar­beit­ge­ber in den di­rek­ten Kon­takt mit ge­eig­ne­ten Be­wer­bern tre­ten. GASTROJOBS bringt zu­sam­men was zu­sam­men ge­hört – weil uns der Job verbindet.

Wei­ter­bil­dung Betriebsführung

Die Schwei­zer Gas­tro­no­mie­fern­schu­le bie­tet Wei­ter­bil­dun­gen für die Füh­rung von Gas­tro­no­mie­be­trie­ben an. Die Re­kru­tie­rung und Per­so­nal­füh­rung sind ein wich­ti­ger Teil des Grund­kurs Gas­tro­no­mie­füh­rung und ei­ni­ger Wirtepatentkurse. 

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