Be­wir­tungs­ver­trag – Rech­te und Pflich­ten in der Gastronomie

Bewirtung im Restaurant
In der Gas­tro­no­mie kommt es im­mer mal wie­der zu Si­tua­tio­nen, in de­nen Gäs­te un­zu­frie­den sind. Sei es we­gen lan­ger War­te­zei­ten, fal­scher Be­stel­lun­gen oder man­gel­haf­ter Spei­sen. Wie kön­nen Sie als Gas­tro­nom dar­auf re­agie­ren und wie ge­stal­tet sich die recht­li­che Si­tua­ti­on in der Schweiz dazu? In die­sem Ar­ti­kel er­klä­ren wir Ih­nen ein­fach und ver­ständ­lich die recht­li­che Grund­la­ge ei­nes Be­wir­tungs­ver­tra­ges so­wie wel­che Rech­te und Pflich­ten die­ser Ver­trag mit sich bringt. 

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Was ist ein Bewirtungsvertrag?

Der Be­griff Be­wir­tungs­ver­trag ist im Schwei­zer Recht nicht di­rekt im Ge­setz ver­an­kert und hat so­mit kei­ne di­rek­te ge­setz­li­che Grund­la­ge. Der Be­wir­tungs­ver­trag setzt sich aus meh­re­ren recht­li­chen Ver­trä­gen zu­sam­men. Wenn ein Gast ein Ge­tränk be­stellt, han­delt es sich um ei­nen Kauf­ver­trag. Die Zu­be­rei­tung ei­nes Me­nüs fällt un­ter das Werk­ver­trags­recht. Die Nut­zung von Tisch, Stuhl und Be­steck wird durch das Miet­recht ge­re­gelt. Der Be­wir­tungs­ver­trag ist also eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Ver­trags­ty­pen und wird in der Rechts­leh­re als so­ge­nann­ter In­no­mi­nat­kon­trakt be­zeich­net. Manch­mal ist auch vom Gast­auf­nah­me­ver­trag oder Be­her­ber­gungs­ver­trag die Rede.

Rech­te und Pflichten

So­bald ein Gast eine Be­stel­lung auf­gibt und die­se vom Ser­vice­per­so­nal auf­ge­nom­men wird, ent­steht ein Be­wir­tungs­ver­trag. Der Ver­trag kommt münd­li­che zu­stan­de. Ge­mäss dem Be­wir­tungs­ver­trag ha­ben Sie als Gas­tro­no­min da­bei ei­ni­ge Pflich­ten. Sie müs­sen den Gast be­die­nen und ei­nen Platz zur Ver­fü­gung stel­len. Wei­ter müs­sen dem Gast ein­wand­freie Spei­sen und Ge­trän­ke ser­viert wer­den. Die Be­stel­lung des Gas­tes muss kor­rekt ser­viert wer­den. Und Sie müs­sen die Si­cher­heit des Gas­tes gewährleisten.

  • Der Gast muss be­dient werden.
  • Dem Gast muss ein Platz zur Ver­fü­gung ge­stellt werden.
  • Dem Gast müs­sen ein­wand­freie Spei­sen und Ge­trän­ke ser­viert werden.
  • Dem Gast muss die kor­rek­te Be­stel­lung ser­viert werden.
  • Die Si­cher­heit des Gas­tes wird gewährleistet.

Je­doch ha­ben nicht nur Sie als Gas­tro­nom Rech­te und Pflich­ten. Im Ge­gen­zug ist der Gast ver­pflich­tet, die kon­su­mier­ten Spei­sen und Ge­trän­ke zu be­zah­len. Die Rech­te des Gas­tes ent­spre­chen den Pflich­ten der Gas­tro­no­mie­be­trei­be­rin und um­ge­kehrt.
Sie als Gas­tro­nom ent­schei­den selbst, wen Sie als Gast be­die­nen möch­ten. Sie dür­fen so­mit frei wäh­len, ob über­haupt ein Be­wir­tungs­ver­trag zu­stan­de kommt oder nicht. Je­doch dür­fen Sie kei­ne Gäs­te aus dis­kri­mi­nie­ren­den oder per­sön­lich­keits­ver­let­zen­den Grün­den ablehnen.

Ein­satz in der Praxis

In der Pra­xis kann es in der Gas­tro­no­mie bei Be­wir­tungs­ver­trä­gen zu Pro­ble­men kom­men. Wich­tig ist, dass Sie als Gas­tro­no­min die recht­li­che Lage in der Schweiz ken­nen, um rich­tig zu re­agie­ren. Wir zei­gen Ih­nen drei ty­pi­sche Fäl­le aus der Pra­xis und wie das Recht in der Schweiz sol­che Si­tua­tio­nen beurteilt.

Lan­ge Wartezeiten 

Wenn ein Gast lan­ge auf sein Es­sen war­tet, kann das är­ger­lich sein. In ei­nem ge­ho­be­nen Re­stau­rant sind War­te­zei­ten von bis zu ei­ner Stun­de beim Abend­essen üb­lich. In ei­nem Take-Away wäh­rend der Mit­tags­pau­se ist das je­doch nicht zu­mut­bar. Der Gast muss der ver­ant­wort­li­chen Per­son nach län­ge­rer War­te­zeit eine an­ge­mes­se­ne Frist set­zen: „Ich möch­te mein Es­sen in den nächs­ten 10 Mi­nu­ten er­hal­ten.“ Wird die­se Frist nicht ein­ge­hal­ten, darf der Gast ge­hen, ohne zu zah­len. Al­ter­na­tiv kann der Gast eine Preis­re­duk­ti­on verlangen.

In die­ser Si­tua­ti­on kom­men Sie als Gas­tro­nom Ih­rer Pflicht nicht nach und kön­nen die Leis­tung nicht er­brin­gen. Wenn ein Gast sich über eine lan­ge War­te­zeit be­schwert, ist es wich­tig, dass Sie ru­hig und ver­ständ­nis­voll re­agie­ren. In der Gas­tro­no­mie ist es recht­lich er­laubt, dass Gäs­te eine an­ge­mes­se­ne Frist set­zen, wenn sie nicht län­ger war­ten möch­ten. Als Gas­tro­no­min soll­ten Sie dem Gast ak­tiv eine Lö­sung an­bie­ten. In­for­mie­ren Sie ihn früh­zei­tig über vor­aus­sicht­li­che War­te­zei­ten und bie­ten Sie bei Ver­zö­ge­run­gen
eine klei­ne Auf­merk­sam­keit an. So zei­gen Sie Wert­schät­zung und ver­mei­den recht­li­che Konflikte.

Fal­sche Bestellung

In der Gas­tro­no­mie hat der Gast An­spruch auf das, was er be­stellt hat. Wird et­was an­de­res ser­viert, liegt ein Feh­ler vor. Ju­ris­tisch ge­se­hen ist das eine so­ge­nann­te Schlecht­leis­tung. In der Schweiz ver­pflich­tet der Be­wir­tungs­ver­trag Sie als Gas­tro­nom, die Be­stel­lung kor­rekt aus­zu­füh­ren. Wird ein fal­sches Ge­richt ser­viert, darf der Gast eine Nach­bes­se­rung ver­lan­gen. Das be­deu­tet, dass das rich­ti­ge Ge­richt zu­be­rei­ten wer­den muss. Dem Gast wer­den da­bei kei­ne zu­sätz­li­che Kos­ten ver­rech­net. Der Gast darf das Re­stau­rant nicht ein­fach ver­las­sen, ohne zu zah­len. Er muss Ih­nen als Gas­tro­no­min die Mög­lich­keit ge­ben, den Feh­ler zu kor­ri­gie­ren. Erst wenn Sie kei­ne Lö­sung an­bie­ten kön­nen oder sich wei­gern, das rich­ti­ge Ge­richt zu brin­gen, kann der Gast vom Ver­trag zu­rück­tre­ten oder eine Preis­re­duk­ti­on ver­lan­gen.
In die­ser Si­tua­ti­on emp­fiehlt es sich, ru­hig zu blei­ben und dem Gast eine schnel­le Lö­sung an­zu­bie­ten. Of­fe­rie­ren Sie dem Gast ein neu­es Ge­richt oder eine klei­ne Ent­schä­di­gung wie ein kos­ten­lo­ses Ge­tränk. So zei­gen Sie als Gas­tro­nom Ver­ständ­nis und wah­ren gleich­zei­tig die recht­li­chen Pflich­ten aus dem Bewirtungsvertrag.

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Man­gel­haf­tes Essen

Es kommt vor, dass das Es­sen nicht rich­tig zu­be­rei­tet ist. Wird ein Ge­richt man­gel­haft ser­viert, liegt eine Pflicht­ver­let­zung im Rah­men des Be­wir­tungs­ver­trags vor. Auch in die­sem Fall han­delt es sich um eine Schlecht­leis­tung. Der Gast darf eine Nach­bes­se­rung ver­lan­gen. Das be­deu­tet, dass das Ge­richt neu zu­be­rei­tet oder er­setzt wer­den muss. Dem Gast wer­den da­bei kei­ne zu­sätz­li­chen Kos­ten ver­rech­net. Ein­fach ge­hen, ohne zu zah­len, darf der Gast je­doch nicht.
Als Gas­tro­no­min soll­ten Sie in die­ser Si­tua­ti­on so­fort eine Lö­sung an­bie­ten. Be­rei­ten Sie das Ge­richt neu zu oder bie­ten Sie eine gleich­wer­ti­ge Al­ter­na­ti­ve an. Eine klei­ne Ges­te wie ein kos­ten­lo­ses Ge­tränk oder Des­sert kann hel­fen, die Si­tua­ti­on zu ent­schär­fen. Wich­tig ist, dass Sie dem Gast das Ge­fühl ge­ben, ernst ge­nom­men zu wer­den. Das stärkt das Ver­trau­en und zeigt Professionalität.

Fa­zit

In der Gas­tro­no­mie ist es wich­tig, dass Sie die Rech­te und Pflich­ten aus dem Be­wir­tungs­ver­trag ken­nen. Doch nicht im­mer lohnt es sich, auf dem ei­ge­nen Recht zu be­har­ren. Freund­lich­keit und Ku­lanz zah­len sich oft aus. In­for­mie­ren Sie Ihre Gäs­te pro­ak­tiv über War­te­zei­ten oder Feh­ler, die pas­siert sind und bie­ten Sie bei Män­geln Lö­sun­gen an. So sor­gen Sie für zu­frie­de­ne Gäs­te, die Ih­nen und Ih­rem Be­trieb ver­trau­en und ger­ne wiederkommen.

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