10 wich­ti­ge Punk­te zum Bierliefervertrag

Die wichtigsten Punkte zum Bierliefervertrag
Er ist für Gas­tro­no­men Fluch und Se­gen zu­gleich — der Bier­lie­fer­ver­trag oder schlicht Bier­ver­trag. Ge­meint ist ein Ab­nah­me­ver­trag für Bier zwi­schen Wirt und Braue­rei. Die­ser Ver­trag ver­pflich­tet Sie als Gas­tro­nom, pro Jahr eine be­stimm­te Men­ge Bier von der Braue­rei zu ver­kau­fen. Als Ge­gen­leis­tung er­hal­ten Sie als Wirt in der Re­gel ein Dar­le­hen, kos­ten­lo­se Aus­schank­an­la­gen und Mo­bi­li­ar mit dem Logo der Brauerei. 

Wer er­hält ei­nen Biervertrag?

Bier­lie­fer­ver­trä­ge sind heu­te in der Schwei­zer Gas­tro­no­mie weit we­ni­ger wich­tig, als sie noch in den 90er-Jah­ren wa­ren. Es ist nicht mehr er­laubt, Gas­tro­no­men mit lang­jäh­ri­gen Ver­trä­gen an eine be­stimm­te Braue­rei zu bin­den. Die ma­xi­ma­le Lauf­zeit ei­nes Braue­rei­ver­trags be­trägt 5 Jah­re, kom­bi­nier­te Ab­nah­me­ver­trä­ge z.B. mit Mi­ne­ral­was­sern sind verboten.

Da­durch ver­ge­ben Schwei­zer Braue­rei­en auch nicht mehr so gross­zü­gi­ge Dar­le­hen wie frü­her. Es wird ge­nau ge­schaut, an wen und zu wel­chen Kon­di­tio­nen Dar­le­hen ge­währt wer­den. Häu­fig wird der Bier­ver­trag zwi­schen Lie­fe­rant und Haus­ei­gen­tü­mer ge­schlos­sen, da die­ser mehr Si­cher­heit bie­tet als der Päch­ter. Der Haus­ei­gen­tü­mer über­trägt die Kon­di­tio­nen dem Päch­ter im Miet­ver­trag. Da­mit ent­steht ein ge­gen­sei­ti­ges Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis, das zu vie­len Un­stim­mig­kei­ten füh­ren kann. Der Päch­ter soll­te die Be­din­gun­gen, die ihm in Be­zug auf die Bier­ab­nah­me ge­stellt wer­den, sehr sorg­fäl­tig prü­fen. Hat der Haus­ei­gen­tü­mer kei­nen Bier­lie­fer­ver­trag ab­ge­schlos­sen, kann der Päch­ter das selbst tun. Soll­ten Sie eine Bar er­öff­nen und ei­nen Bier­lie­fer­ver­trag ab­schlies­sen, ach­ten Sie sich auf die fol­gen­den Punkte.

Bierverträge bieten viel Potenzial aber auch grosse Gefahr

Vor- und Nach­tei­le ei­nes Brauereivertrags

Wie Sie be­reits er­ah­nen wer­den, hat ein Bier­ver­trag Vor- und Nach­tei­le. Ein Vor­teil ist si­cher­lich, dass Sie bei ei­ner Neu­grün­dung meist über we­nig Ka­pi­tal ver­fü­gen. Ei­nen güns­ti­gen Kre­dit und kos­ten­lo­se Aus­schat­tung ist in die­ser Pha­se sehr wert­voll. Wenn Sie zu­dem ei­nen Bier­part­ner fin­den, der gut zu Ih­rem Kon­zept passt, kön­nen Sie vom Know­how des Lie­fe­ran­ten bei Ein­kauf, La­ge­rung und Ver­mark­tung profitieren.

Ein Bier­ver­trag kann aber auch gros­se Nach­tei­le ha­ben. Je nach Ver­trags­be­din­gun­gen wer­den Sie in der Frei­heit der Sor­ti­ments­ge­stal­tung ein­ge­schränkt oder es ent­ste­hen fi­nan­zi­el­le For­de­run­gen. Be­son­ders Ab­nah­me­ver­pflich­tun­gen und Rück­ver­gü­tungs­sys­te­me soll­ten kri­tisch be­ur­teilt wer­den. Zie­hen Sie im Zwei­fels­fall ei­nen Be­ra­ter bei.

Check­lis­te für ei­nen Biervertrag

  • Hal­ten Sie al­les schrift­lich fest. Münd­li­che Ver­spre­chun­gen des Braue­rei­ver­tre­ters kön­nen schnell „ver­ges­sen“ gehen.
  • Schlies­sen Sie nur ei­nen Bier­lie­fer­ver­trag ab, wenn das Sor­ti­ment der Braue­rei zu Ih­rem Be­trieb passt. In der Re­gel zäh­len auch Fremd­bie­re aus dem Sor­ti­ment der Braue­rei dazu. Ach­ten Sie auf ge­nü­gend Auswahl.
  • Klä­ren Sie ab, ob Sie auch Bie­re von an­de­ren An­bie­tern ins Sor­ti­ment auf­neh­men kön­nen. Oder re­geln Sie nur den Of­fen­aus­schank, da­mit Sie Fla­schen­bier auch noch über an­de­re Lie­fe­ran­ten be­zie­hen dürfen.
  • Der Bier­lie­fer­ver­trag soll­te nicht län­ger als der Miet­ver­trag dau­ern. Die Braue­rei kann sonst Rück­griff auf Sie neh­men, wenn Sie den Miet­ver­trag nicht verlängern.
  • Eine Bin­dung an den Lie­fe­ran­ten be­inhal­tet in der Re­gel ein Dar­le­hen an den Be­trieb (z.B. für den Ein­bau ei­ner Aus­schank­an­la­ge) oder be­son­ders at­trak­ti­ve Net­to­prei­se. Nut­zen Sie den Ver­hand­lungs­spiel­raum, in­dem Sie meh­re­re Braue­rei­en an­fra­gen.  Spie­len Sie aber von An­fang an mit of­fe­nen Kar­ten ge­gen­über den An­bie­tern. Trick­se­rei­en kom­men nicht gut an.
  • Wenn ein Büf­fet durch ein Braue­rei­d­ar­le­hen ein­ge­baut wird, ach­ten Sie dar­auf, dass der Ein­bau Ih­nen ge­hört (oder dass der Haus­ei­gen­tü­mer da­für be­zahlt). Al­len­falls kön­nen Sie die An­la­ge mieten.
  • Min­dest­ab­nah­me­ver­pflich­tun­gen kön­nen zu Scha­den­er­satz füh­ren, wenn sie nicht ein­ge­hal­ten wer­den. Sei­en Sie also vor­sich­tig mit Ver­pflich­tun­gen, die Sie nicht ein­hal­ten können.
  • Rück­ver­gü­tun­gen auf ver­kauf­te Bie­re in Fran­ken sind nur sinn­voll, wenn der Bier­preis nicht er­höht wer­den kann. An­sons­ten sind pro­zen­tua­le Rück­ver­gü­tun­gen zu emp­feh­len. Die Rück­ver­gü­tung bei Bier­ver­trä­gen be­trägt je nach Um­satz, Bier­art und Leis­tun­gen 10 — 15 %.
  • Klä­ren Sie zu­dem ab, ob die Rück­ver­gü­tung auch für Fremd­bie­re gilt. Klä­ren Sie die Kün­di­gungs­be­din­gun­gen des Ver­trag ab. Was pas­siert, wenn Sie krank wer­den und den Be­trieb auf­ge­ben müs­sen? Kön­nen Sie das Dar­le­hen vor­zei­tig zu­rück­zah­len und aussteigen?
  • Sei­en Sie wäh­le­risch bei Wer­be­ar­ti­keln von Lie­fe­ran­ten. Zu viel Fremd­wer­bung wirkt bil­lig und kann Ihre ei­ge­ne Wer­bung ver­wäs­sern. Nicht al­les, was gra­tis ist, passt in Ih­ren Betrieb!

Grün­der­pfad zum ei­ge­nen Gastrobetrieb

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